Pressemitteilung

3. Juni 2019

Versorgungsforschung evaluiert Einsatz von Babycams auf Frühchenstationen

Kölner Forschungsprojekt „Neo-CamCare“ gestartet / Dreijährige Förderung durch Innovationsfonds mit rund zwei Millionen Euro  

Das Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR) der Universität zu Köln startet gemeinsam mit der Neonatologie der Uniklinik Bonn und mit der Uniklinik Köln ein neues Forschungsprojekt auf der Frühchenstation. Bei „Neo-CamCare“ wird erstmals der Einsatz von Webcams für die ortsunabhängige, virtuelle Echtzeit-Übertragung der Kinder zu ihren Eltern evaluiert. Dabei sollen rechtliche Rahmenbedingungen wie der Datenschutz geklärt, die Bedürfnisse der Eltern erfragt und eine Handlungshilfe für die Betroffenen entwickelt werden. Das Projekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Erforschung neuer Versorgungsformen mit 1,9 Millionen Euro für drei Jahre gefördert.

Jährlich kommen in Deutschland knapp 10.500 sehr kleine „Frühchen“ mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm auf die Welt. Um ihnen einen guten Lebensstart zu ermöglichen, werden sie meist über einen langen Zeitraum in den sogenannten Perinatalzentren intensivmedizinisch versorgt.

„Mütter und Väter haben nicht immer die Möglichkeit, dauerhaft im Krankenhaus bei ihrem Kind zu sein. Diese räumliche Trennung bringt oft eine Belastung für die Eltern und die Eltern-Kind-Beziehung mit sich, welche durch den Einsatz von Webcams überbrückt werden soll. Sein Kind über eine Webcam jederzeit sehen zu können, kann aber auch psychisch herausfordern“, erklärt Projektleiterin Dr. Nadine Scholten von der Universität zu Köln. „Unsere versorgungswissenschaftliche Studie soll das Potenzial abschätzen, das Webcams bieten, um die Eltern-Kind-Beziehung zu verbessern und psychische Belastungen durch die Trennung von Eltern und Kind abzubauen.“

Der Webcam-Service steht bisher nur auf einigen wenigen Frühgeborenen-Intensivstationen in Deutschland zur Verfügung. Neo-CamCare wird die aktuelle Verbreitung und die Einstellung hinsichtlich der Nutzung von Webcams erfassen und ihren Einsatz aus Perspektive der Klinikmitarbeiter evaluieren. Gleichzeitig sollen auf der anderen Seite auch Bedarf, mögliche Hürden und die Bedenken der Eltern untersucht werden. Ziel ist es, auf Basis der erhobenen Daten und der gewonnenen Erkenntnisse eine Handlungshilfe für Eltern und Klinikmitarbeiter zu entwickeln.

Das Projekt „Neo-CamCare“ wird am IMVR der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn, der Forschungsstelle Ethik des Universitätsklinikums Köln im ceres, dem Seminar für Allgemeine BWL und Management im Gesundheitswesen der Universität zu Köln sowie dem Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik der Universität zu Köln durchgeführt.

Weitere Beteiligte sind die Goethe-Universität Frankfurt und die dortige Forschungsstelle Datenschutz sowie die Techniker Krankenkasse und die DAK-Gesundheit.

Inhaltlicher Kontakt:
Dr. Nadine Scholten
Universität zu Köln, IMVR – Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft
+49 22 147 897156
nadine.scholten@uk-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Frieda Berg
+49 221 470-1704
f.berg@uni-koeln.de